Die Weiße Rose
Das kurze, couragierte Leben der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter
Schauspiel nach Briefen, Aufzeichnungen, Flugblättern, Zeitzeugenberichten und Gerichtsprotokollen
Die Mitglieder der Weißen Rose – einer Widerstandsgruppe während der Zeit des Nationalsozialismus – verfassten, druckten und verteilten insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde.
1940 begegnen sich die beiden Medizinstudenten Hans Scholl und Alexander Schmorell in München. Aus der Freundschaft der beiden jungen Männer und ihrer kritischen Einstellung zum herrschenden Regime erwächst der zunächst passive, dann aktive Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der unter dem Namen »Die Weiße Rose« berühmt werden sollte.
Nach und nach schließen sich den Aktionen die Freunde Christoph Probst, Willi Graf, Hans’ Schwester Sophie und der Universitätsprofessor Kurt Huber an. Was mit einem getippten Flugblatt begann, wird zu einer gedanklichen Macht, die sich vorgenommen hat, den Nationalsozialismus zu stürzen. Nach einer riskanten Aktion in der Münchner Universität erstickt das Regime den Keim des Widerstands und löscht das Leben dieser sechs mutigen und bemerkenswerten Menschen aus.
Ein paar Worte zur Regiearbeit
„Von vier Stücken, die zum Thema »Die Weiße Rose« haben, kam mir das von Jutta Schubert am weitesten entgegen. Mir ging es hauptsächlich darum, die Charaktere der beteiligten Personen zu zeigen, die Beweggründe für ihre allmähliche Hinwendung, vom anfänglichen Unmut über die immer vordergründiger sich entwickelnde politische Willkür, zum aktiven Widerstand. In der Inszenierung kam es mir u.a. darauf an, den Handlungsverlauf des facettenartig, aus fast vierzig Bildern an sieben unterschiedlichen Spielorten, aufgebauten Dramas flüssig und ohne große Spannungsverluste bei den Umbauten und Szenenwechsel zu gestalten.“ — Norbert Bertheau
Rezensionen
Wie mutige junge Menschen den Nazis Widerstand leisteten
„Die Weiße Rose“ kann trotz einiger Schwächen am Theater Ensemble überzeugen – Das Stück ist noch immer aktuell
„Es lebe die Freiheit!“ Hans Scholls letzte Worte vor seiner Hinrichtung könnten auch der Titel des Theaterstückes sein, das Jutta Schubert über die Widerstandsgruppe Weiße Rose aufbauend auf Briefen, Dokumenten und überlieferten Zitaten montiert hat. Das Schauspiel, das den Titel „Die Weiße Rose – die Geschwister Scholl“ trägt, hatte im Würzburger Theater Ensemble seine Premiere unter der Regie von Theaterleiter Norbert Bertheau.
In schlaglichtartigen Szenen wird die Geschichte der Geschwister Hans und Sophie Scholl und ihrer Mitstreiter von der Weißen Rose erzählt: Das Kennenlernen der Freunde Christoph Probst, Alexander Schmorell und Willi Graf, die zusammen mit den Geschwistern Scholl die berühmten Flugblätter erdachten, erstellten und verteilten – und die in Nazi-Deutschland ihr Leben riskierten und verloren.
Den einzelnen Charakteren wird viel Raum gelassen, Entwicklungen und Beweggründe werden aufgezeigt, Persönlichkeiten klar umrissen. Einfache Versatzstücke bilden die Kulisse, die es ermöglicht, in rascher Abfolge unterschiedliche Orte darzustellen.
Eine Liste links auf der Bühne zeigt die Jahre 1938 bis 1943. Wenn die Wäscheklammer auf der Liste nach unten wandert, scheint die Zeit so unaufhaltsam zu verrinnen wie der Sand in einer Sanduhr: Entwicklungen im Zeitraffer tun sich auf. Zum Beispiel Hans (Michael Völkl): 1938 fühlt sich der junge Medizinstudent „nicht zum Heldentum berufen“, doch schon 1941 stellt er fest, es sei „besser unterzugehen als ewig leicht und falsch durch die Welt zu wandern“.
Das Ensemble zeigt insgesamt gute Leistungen, doch gerade den Hauptdarstellern wünscht man anfangs etwas mehr Mut und Vitalität in ihrer Ausstrahlung – die dunklen Wolken, die über ihnen hängen, drohen sie zaghafter und kleiner zu machen als die jungen Leute der Weißen Rose gewesen sein können.
Gerade Sabrina Kohl darf ihrer Sophie durchaus etwas mehr Kraft geben, sie hätte es verdient. Robert Bedard fällt als „Schurik“, Alexander Schmorell, angenehm auf, er gibt dieser oft im Schatten der Geschwister Scholl stehenden Persönlichkeit Strahlkraft.
In weiteren Rollen spielen Thomas und Katharina Schmelter als Professor Huber und dessen Frau Clara, Markus Rakowsky als Christoph Probst, Julian Wich als Willi Graf und Jürgen Döring, der sich als weich gespülter Kriminalobersekretär Mohr alle Mühe gibt, Zerrissenheit während der Vernehmungen zu zeigen, aber eher soft und kraftlos (wenn natürlich auch nicht machtlos) bleibt.
Trotz einiger Schwächen bei der Premiere, die sich sicher bei den weiteren Aufführungen noch ausbügeln lassen, ist „Die Weiße Rose“ ein gut gewähltes Stück: unbequem, bewegend, und immer noch nötig.
Quelle: MAIN POST, 16. Januar 2010, Ulrike Wolk
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