Tektonik der Gefühle

von Éric-Emmanuel Schmitt

Eigentlich könnte es so schön sein für Diane. Gut situiert, wohnt sie zusammen mit ihrer gewitzten, charmanten Mutter und führt eine scheinbar glückliche Beziehung mit Richard. Doch in ihrem Innern nagen Zweifel: Liebt er mich noch so wie früher? Aus Angst vor Enttäuschung gibt Diane nun selbst vor, dass ihre Gefühle für Richard an Intensität verloren hätten.

Kurzerhand beendet dieser, in seinem Stolz ungemein verletzt, die Beziehung. Diane wiederum schmiedet fortan an einem ausgeklügelten Racheplan. Sie setzt die junge rumänische Literaturstudentin Elina, nach Frankreich entführt und in die Prostitution getrieben, auf Richard an. Er verliebt sich jedoch tatsächlich in das hübsche, noch immer moralisch aufrechte Mädchen. Und Diane sieht fortan ihre Rachefelle auf einer Welle der Liebe davonschwimmen...

Ist es möglich – von einem Moment auf den anderen – von der Liebe zum Haß überzugehen? 
„La Tectonique des Sentiments“ handelt von den Verheerungen, die Diane auslöst, als sie meint, Richard liebe sie nicht mehr…

Das Leben aller Figuren wird gewaltige Erschütterungen erfahren, ins Wanken geraten; denn, wenn ein Gefühl sich verschiebt, dann ist das genau so, wie wenn sich die Kontinentalplatten verschieben: die Folgen sind unabsehbar…

Je stärker der Stolz ist, desto stärker ist auch das Beben. Eine grausame, doch letztlich zärtliche Komödie, die die Widersprüche, die wir in uns tragen, unter die Lupe nimmt und unsere Liebesbeziehungen einer gründlichen Analyse unterzieht.

 


 

Hintergrund

In diesem Stück hat Schmitt die in Diderots Roman „Jacques der Fatalist und sein Herr“ erzählte Episode der Madame de la Pommeraye aufgegriffen, die in Deutschland durch Schillers Übersetzung, die er unter dem Titel „Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache“ veröffentlicht hatte, bekannt geworden ist. Anfangs wollte Schmitt die Originalerzählung Diderots für die Bühne adaptieren, doch schnell entstand im Verlauf dieser Arbeit eine sehr eigenständige, moderne Version dieser Geschichte, die alle Qualitäten aufweist, die die Bühnenwerke dieses Autors auszeichnen.

„Tektonik der Gefühle“ ist bei Schmitt nun ein zwischen Tragödie und Komödie oszillierendes, fesselndes Porträt einer liebenden Frau, deren bedingslose Liebe in dem Moment, als sie sich nicht mehr wiedergeliebt glaubt, von einer Sekunde zur anderen in blindwütigen, zerstörerischen Haß umschlägt. Ein Stück, das in seiner spannenden Schilderung einer Liebe sowohl an Marivaux als auch an Choderlos de Laclos denken läßt: An Marivaux wegen der genauen, sensiblen und subtilen Zeichnung leidenschaftlicher Liebe, an Laclos wegen der Konsequenz perverser Manipulation, deren Opfer sie werden kann.

 

Textquellen: www.eric-emmanuel-schmitt.com, Theater-Verlag Desch GmbH

 

Bilder


 

Pressestimmen

Main-Post Würzburg, Eva Werner, 10. März 2012

(…) Das Würzburger Theater Ensemble zeigt eine ambitionierte und durchaus kurzweilige Umsetzung von „Tektonik der Gefühle“ (…)