Engel der Barmherzigkeit – dein heißer Draht zum Tod

von der Würzburger Autorin Gabriele Brotzeller

Was passiert, wenn im Himmel die irdischen Zustände von Bürokratie und Leistungsdruck herrschen? – Der Stoff des Stücks mag kontrovers erscheinen: Engel, die eine himmlische Hotline für potentielle Selbstmörder betreiben und sie beim Suizid unterstützen – Mord durch Selbstmord also. Es zeigt die Engel in einer Zerreißprobe zwischen Arbeitsmoral und persönlicher Moral. Eine Situation, die jeder kennt und in der man fast immer nur verlieren kann.

Engel der Barmherzigkeit

Die Engel der Barmherzigkeit (Norbert Bertheau, David Chapman, Inga Zilles, David Mittelbach, Barbara Kerzinger)

Photo: Philipp Kollmar

Der Zweiakter „Engel der Barmherzigkeit – dein heißer Draht zum Tod“ ist ein schwarzes Drama mit bösem Humor und ebensolcher Handlung.

Der Himmel betreibt eine Hotline für potentielle Selbstmörder, die das Leben nicht mehr aushalten. Die Agents dieses Call Centers beraten die Anrufer, wie sie sich am besten umbringen. Dabei wandern sie auf einem schmalen Grat: Eigentlich sollen sie den freien Willen der Menschen achten und auch die Anrufer unterstützen, die sich entscheiden ins Leben zurückzukehren. Gleichzeitig müssen sie jedoch eine gewisse Mindestquote an erfolgreichen Selbstmorden erfüllen, da sonst die Schließung der Abteilung droht.

Jeder Mitarbeiter geht mit dieser Situation auf andere Weise um. Es gibt die rücksichtslose Karrieresau, den nachlässigen Zweifler, den ambitionierten Full Service Provider und die Sensible, die mit wachsenden Schuldgefühlen kämpft.

Den Engeln gegenüber stehen die Anrufer, die aus unterschiedlichen Situationen heraus die Hotline anwählen. Sie sind auf der Flucht, erschöpft, trotzig, ängstlich oder sogar terroristisch – oder einfach unschuldig. Die himmlische Sterbehilfe – ein unglaubliches, ein unmoralisches Phänomen.

 

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