Der Freigeist

Lustspiel von Éric-Emmanuel Schmitt

Der Freigeist - eine Komödie von Éric-Emmanuel Schmitt

Im Jagdschloss des Barons d'Holbach posiert der Philosoph Denis Diderot halbnackt für Madame Therbouche.

Er ist gerade im galanten Geplauder mit dieser begriffen, als sein Sekretär ihre Spielchen unterbricht und den Philosophen beauftragt einen Artikel über die Moral für die Encyclopédie zu schreiben.

Dies stellt sich jedoch als schwieriger heraus als erwartet, besonders wenn es während dessen gilt, eine ungeduldige Geliebte im Nebenzimmer vor der eigenen Ehefrau zu verstecken.

Ein verrückter Tag im Leben des Denkers und Liebessüchtigen Diderot: Was auch immer er auf dem Gebiet der Verführung oder der Philosophie unternimmt – ständig kommt irgendetwas dazwischen…

 


Vorstellungen

 

 

Pressestimmen

KulturGut Würzburg, Januar 2011

Die Herbst-Winter-Kulturkollektion 2010/11 im Rückblick

Der Kulturherbst war bemerkenswert, stellt die KulturGut-Redaktion fest. Und komponiert ein Mosaik der Rezensionen. Um festzuhalten: Das ist uns aufgefallen, hier haben wir innegehalten, beeindruckt gelauscht, die Stirn gerunzelt, den Kopf geschüttelt, geklatscht bis die Handflächen brannten. Unsere Sammlung der außergewöhnlichen Kultur-Momente gibt im besten Fall Anleitung zum Hören und Sehen und macht Lust auf mehr: eine Einladung zur Meinungsbildung. [...]

„Der Freigeist“ im theater ensemble
Éric-Emmanuel Schmitt lässt seine Hauptfigur, den Enzyklopädisten Denis Diderot, jedes Thema relativistisch zerschnippeln, meist, um mit den Frauen zurechtzukommen. Und lässt also Tiefsinn diesmal beiseite. Das bekommt Norbert Bertheaus Inszenierung sehr gut! Michael Völkl, Renée Gahn und Sabrina Kohl spielen ihre ränkevollen Du- und Terzette auf gleicher Ebene, in stilsicherer komischer Überhöhung. Dem schließen sich in den kleineren Rollen Franziska Wirth, Tatjana Schnitzer und Markus Rakowsky mit erstaunlicher Sprechkultur und schönem Tempo ganz dicht an.

 

Main-Post Würzburg, 18. Dezember 2010

Wie Adam vor dem Sündenfall

Ein Häufchen Mutiger hatte sich durch das Winterwetter gekämpft, um die Premiere von Éric- Emmanuel Schmitts Komödie „Der Freigeist“ im Würzburger Theater Ensemble zu sehen. Sie ist geistreich und erotisch, wortgewaltig und voller Witz, und das Schauspielerteam macht sie unter der Regie von Norbert Bertheau zu einer angenehmen Unterhaltung.

Ein edles Ambiente ist auf der Bühne aufgebaut. Das Zimmer im Jagdschloss des Barons d’Holbach mit Schreibtisch und Kamin, hohen Säulen, Büchern und einer imposanten Büste sorgt für das nötige Flair. Hier soll der Philosoph Denis Diderot (Michael Völkl) eine Abhandlung über die Moral schreiben.

Ausgerechnet er, der Freigeist. Er zeigt sich willig, Blatt und Bleistift sowie philosophische Gedanken dazu hat er. Doch drei Damen und sein drängender Sekretär lenken ihn ständig von der Arbeit ab. So kommt es, dass er hinter der Récamière seine Blöße verstecken, die drängende Geliebte im Nebenzimmer, die schwärmerische Tochter seines Gastgebers auf den Knien und die Ehefrau im Anmarsch aushalten muss. Madame Diderot (Franziska Wirth) hat es satt, ständig betrogen zu werden, und spielt ein bisschen mit der Eifersucht des Gatten, denn „der Zweifel ist hundertmal pikanter als die Wahrheit“. Auch die Malerin Therbouche (Renée Gahn) und die junge d’Holbach (Sabrina Kohl) heizen dem Denker ordentlich ein.

Für alle Fehler eine Ausrede

Der kann sich galant und mit schönen Worten aus jeglicher Verfänglichkeit herausziehen, steht charmant und rein da wie Adam vor dem Südenfall. „Goldmund“ nennt ihn daher die Gattin, und er ist überzeugt davon, dass Moral die Kunst ist, glücklich zu sein. „Streicht Enthaltsamkeit aus den Tugenden“, fordert Diderot und ist sich sicher, dass die Philosophie nur deshalb erfunden wurde, um für alle Fehler eine Ausrede zu haben. Ins Schwanken gerät er nur, als seine Schwester Angélique (Tatjana Schnitzer) das umsetzen möchte, was er so leichtfertig ausplaudert.

Es sind höchst amüsante, anarchische Thesen, die der Autor seinen Figuren in die Münder legt. Besonders Michael Völkl als Diderot gefällt als Opfer liebestoller Belästigungen, der seine Philosophie schnell ändert, wenn eine Frau in der Nähe ist. Da kann selbst sein Sekretär Baronnet (Markus Rakowsky) nichts ändern.

 

Besucherstimmen

Nettes, fröhliches Lustspiel mit überraschender Tiefe im zweiten Akt! Mir hat die Premiere gefallen! Schön war vor allem das Schauspiel "Diderots" und "Madame Therbousche" nebeneinander: Während Diderot sehr quirrlig und voller kommunikativer, manchmal überschäumender Lebensfreude spielt, agiert Madame Therbouche spitz, lanciert und knapp. So entsteht ein sehr interessantes Duett, dass die Fragen des Geschlechterkampfs neu aufmodelt. Diese Angenehme Anspannung bleibt bis zum Ende des Stücks erhalten, und so trifft PikeAss auf Herzbube, Herzbube auf Pike-Ass, während sich andere Mitpsieler zu diesem bunten Stichequartett hinzugesellen. Die Sprache ist artifiziell und nuancenreich, einige der Pointen könnten sich aus dem Schauspiel mehr herausschälen, könnten länger im Raum "liegengelassen" werden. Das Zeug zum Bonmot zu werden haben sie allemal, wenn sie es nicht schon sind. Die Kulisse ist angenehm sommerlich, leicht. Ein paar verstreute Notizzettel des zerstreuten Diderots, ein Schreibtisch, eine Büste, eine Staffelei, und aus dem Innenhof schauen fröhliche Blumen, wenn die Zimmertüre aufgeht. Also sehr sommerlich und behaglich. Der Preis für Studenten könnte etwas reduziert werden. Aber alles in allem eine gelungene Vorstellung, der ich alles gute Wünsche! — Martin S., 16. Dezember 2010

 

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Über den Autor

Éric-Emmanuel Schmitt wurde innerhalb von zehn Jahren zu einem der meistgelesenen und meistgespielten französischsprachigen zeitgenössischen Autoren weltweit.
Geboren wurde er 1960. Er besuchte die Pariser Elite-Universität und promovierte im Fach Philosophie. Als Theaterautor wurde er zunächst mit dem Stück Der Besucher bekannt, in dem er ein fingiertes Treffen zwischen S. Freud und – vielleicht – Gott schildert. Das Stück wurde zu einem Klassiker im Repertoire von Theatern auf der ganzen Welt. Rasch folgte nun ein Erfolg auf den anderen: Enigma, Der Freigeist, Hotel zu den den zwei Welten, Kleine Eheverbrechen, Meine Evangelien, Tektonik der Gefühle.

Schmitt hat sowohl als Dramatiker, Romancier als auch Drehbuchautor einen immensen Erfolg mit: Milarepa, Monsier Ibrahim und die Blumen des Koran (verfilmt), Oskar und die Dame in Rosa (verfilmt), Das Kind von Noah.

Das theater ensemble Würzburg hat, ebenfalls in der Inszenierung von Norbert Bertheau, mit großem Erfolg Hotel zu den zwei Welten gezeigt und ist in Vorbereitung zu Tektonik der Gefühle, das seine deutsche Erstaufführung im Februar 2011 am Regensburger Stadttheater hat. Ferner hat das theater ensemble die Option auf die Aufführungsrechte für weitere Stücke von Éric-Emmanuel Schmitt.