»Big Deal? ist weder ein Themen- noch ein Problemstück. Niemand soll hier verändert oder belehrt werden. Vielmehr geht es darum, politische und persönliche Wertvorstellungen auszuloten und dabei zu veranschaulichen, was in der Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn in Wahrheit passiert und was andererseits verleugnet wird. Das Drogenproblem dient lediglich als Folie vor der sich das Ganze abspielt.« (David S. Craig)
Er raucht Hasch. Na und? Ist doch nicht ungewöhnlich für einen Sechzehnjährigen!? Immerhin lässt er die Finger von Ecstasy, Crystal und anderen Drogen. Was heißt hier andere? Hasch ist doch keine Droge! Hasch ist etwas Natürliches, ein Kraut, Gras! Viel harmloser als Kaffee oder Alkohol! Er weiß alles über Hasch. Nur hat er sich dummerweise erwischen lassen mit einem Depot von dem Zeug. Das hatte er im Keller versteckt, um seine Freunde damit zu versorgen. So was nennt man Dealen, was natürlich völliger Unsinn ist. Er wollte sich ja gar nicht daran bereichern. Aber das mache mal einer diesen Leuten beim Jugendgericht klar. Oder der Frau bei der Drogenberatung! Er ist sich keiner Schuld bewusst. Schuld ist sein Vater. Der hat die Polizei geholt, als diese wilde Party in seinem Hause abging. Sein Sohn hatte sich ein paar Freunde eingeladen, und die brachten wieder ein paar Freunde mit. So war das eben. Er konnte ja nicht ahnen, dass die Eltern früher als geplant von ihrer Reise zurückkehren.
»Marihuana ist sehr viel mehr als eine bloße Droge. Die Faszination durch Marihuana bringt Jugendliche mit den politischen, wirtschaftlichen, juristischen und kulturellen Gegebenheiten einer Erwachsenenwelt in Berührung, die sie zu Recht für verworren halten. So sind die Erwachsenen einerseits nahe daran, für Legalisierung, Entkriminalisierung und die medizinische Nutzung von Marihuana einzutreten. Auf der anderen Seite sind Gefängnis-, Geld, und andere Strafen immer noch die Realität, während Alkohol und Zigaretten weiterhin frei zugänglich bleiben. Junge Menschen lassen sich nichts vormachen und sind schnell bei der Hand mit Reaktionen auf solche offensichtlichen Verlogenheiten. Und genau darum geht es in diesem Stück.«
Ein Stück über Familien-, Kommunikations- und Drogenprobleme. Ein intensiver Schlagabtausch auf Augenhöhe. Ein Stück, das nicht bevormundet und nicht belehren will.
David S. Craig schreibt Theaterstücke für junge Menschen, ist Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter des Roseneath Theatre, eines Theaters für Kinder und Jugendliche in Toronto. Das kanadische NOW Magazine bezeichnete David S. Craig in der Theatersaison 2001/02 als 'one of Canada's top 20 playwrights'. Sein Stück 'Agent im Spiel' wurde für den Deutschen Kindertheaterpreis 2004 nominiert.
Spieltermine / Kartenreservierung
Quelle: MAIN-POST, 30. Oktober 2010, von Eva Werner
Ende einer Kiffer-Party
„Was ist schon so gefährlich an Marihuana, ist schließlich nur ein Kraut“, dachte sich der kanadische Schriftsteller David S. Craig in seiner Jugend. Als Vater und Theaterautor wiederum setzte er sich ganz neu mit der Droge und ihren Folgen auseinander und verarbeitete seine Erkenntnisse in „Big Deal?“. Das Würzburger theater ensemble in der Frankfurter Straße präsentiert das kitsch- und vorurteilsfreie Jugendstück.
Es hätte so schön sein können für den 16-jährigen Kiffer Marco (Markus Rakowsky): Die Eltern verreist, eine coole Party im leeren Haus und dazu eine gehörige Portion Marijuana, mit der er seine Kumpel versorgt. Doch schnell läuft die Feier aus dem Ruder, die Polizei stürm das Haus und erwischt Marco, als er gerade vergeblich versucht, das Gras in der Toilette zu entsorgen.
Zentrale Konflikte
Marco landet als Drogendealer vor dem Jugendrichter, wird vorher aber erst mal zu einem Gespräch mit der jungen, engagierten Drogenberaterin Alex de Gruiter (Sabrina Kohl) verdonnert. Als Marco erfährt, dass sein eigener Vater (Norbert Bertheau) die Polizei gerufen hat, steht für ihn der Schuldige an seinem Schlamassel fest: nicht etwa er selbst, sondern sein strenger Erzeuger!
„Big Deal?“ thematisiert knapp und prägnant zentrale Konfliktherde zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, ohne dabei allzu mächtig den moralischen Dampfhammer zu schwingen. Auch der offene Schluss des Stücks verzichtet dankenswerterweise ganz auf tränentriefende Versöhnung oder tragischen Absturz in die Drogenhölle.
Lebensnah
Regisseur Norbert Bertheau und seine Assistentin Tatjana Schnitzer setzen in ihrer Inszenierung ganz auf die lebensnahe Glaubwürdigkeit der beiden jungen Schauspieler. Sabrina Kohl verkörpert Alex, die kaffeesüchtige Drogenberaterin (ein bisschen Moralhammer muss wohl doch sein), mit Witz, Pep und charmant sympathisch. Markus Rakowsky verleiht dem aufgebrachten Marco viel mürrische Attitüde. Er versteht sich aber auch auf die leiseren, verzweifelten Zwischentöne.