Baal

von Bertolt Brecht

Baal ist ein moralisches Stück, insofern gesellschaftlich doktrinierte Moralvorstellungen und Werte schonungslos destruiert werden, auf dass wir dieselben reflektieren und uns frei von ihnen auf jene zurück besinnen können, die in unserem Naturell liegen, gemäß dem Ausspruch Nietzsches „Umwälzung aller Werte“!

Der Fokus der Inszenierung liegt in der Darstellung des Fatalismus Baals, der bereit ist, sich in die Flammen der Leidenschaft zu stürzen, um in ihnen zu verbrennen und auf seinem Weg alles Nebensächliche, alles Verbrauchte von sich weist, dessen Weg so klar ist, so konsequent, ohne die Unsicherheit und Furcht unserer  Gesellschaft. Er inspiriert die Menschen, ist ein Prophet der Moderne wie einst Siddharta, Mohammed oder Jesus. Er hat die Fokussierung und Ernsthaftigkeit eines Tieres, doch trotz der vermeintlichen Verwerflichkeit seiner  Taten, die Sehnsucht und Unschuld eines Kindes inne, denn diesen liegt eine tiefe Überzeugung, die Reinheit des Animus zu Grunde.

Die Thematik des Baals vernetzt sich mit dem Gedankengut  unzähliger Dichter und Denker mehrerer Epochen. So nimmt der englische Dichter William Blake vieles von dem vorweg, was Brecht in seinem Erstlingswerk verarbeitet  und auch der Geist Nietzsches scheint diesem Werk mit deutlicher Präsenz innezuwohnen.  Auch zu der legendären Band „The Doors“ finden sich einige Parallelen, sie bezieht sich ebenfalls auf William Blake und  Jim Morrison verkörpert jenen exzessiven, sich selbst verschlingenden Lebensstil, der auch Baal zu eigen ist.

„Ein versoffenes Genie voller Gefühl, das zwischen den höchsten Gelüsten weltlicher Begierden und dem stumpfen trägen Tagwerk taumelnd, im Grunde nur den blauen, nackten Himmel wirklich liebt. Das Stück ist derart dramatisch, dass es damals für die Bühne entschärft werden musste. In unserer rohen Zeit, in der die Menschen sich mit Geschmacksverstärken, harten Drogen und reality-TV jede Sensibilität genommen haben, ist es dem Regisseur ein Anliegen der Welt eine verschärfte Variante dieses Dramas zu präsentieren. Dem Publikum vorführen wie die letzte Hülle von Moral und Anstand fällt, in einer gottlosen und über alle Maße selbstgerechten Welt. Wer sonst könnte das vollbringen als das von den Massen umworbene Genie Baal, dass sich seiner Taten voll bewusst den Ruhm verschmäht, sich über jeden Anstand hinwegsetzt und gerade noch im Vorbeigehen den hochnäsigsten Moralapostel als Vogelscheuche entlarvt.“ — Christoph Homuth (Baal)

Auf der Sommerbühne im Grünen - an der Hangwiese hinter dem theater ensemble - bei Regen und Kälte drinnen.

 

Mitwirkende

Mit: David Chapman, Christian Galgenmüller, Christoph Homuth, Sabrina Kohl, Samira Kreß, David Mittelbach, Markus Rakowsky, Tatjana Schnitzer u. a.

Regie: Robert Bedard

Co-Regie: Norbert Bertheau

Musik / Licht: Martin Schelzig

Requisiteurin / Kostüme: Tatjana Schnitzer

Bühnentechnik: Markus Rakowsky

 

Kartenpreise

12,50 Euro / 7,50 Euro ermäßigt, Abendkasse ab 19:00 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr

Vorverkauf: Touristinformation im Würzburger Falkenhaus (am Marktplatz)

 

Medienecho

Ursula Düring, MAIN POST, 3. Juli 2010

Theater Ensemble: Baal und die Gier nach Leben
Brecht-Stück vom Theater Ensemble

Ein schäbig aussehender junger Mann platzt in eine edle Tischgesellschaft. Laut und ungebremst deklamiert er seine Verse, nimmt regungslos den Beifall für seinen Vortrag entgegen. Dann lümmelt er sich über seinen Teller, stopft sich den Mund voll und provoziert die Menschen, die ihm eben noch applaudiert haben, eiskalt und gnadenlos.

Der junge Mann ist Baal, die Titelfigur in dem Drama, das Bertolt Brecht in jungen Jahren während seines Militärdienstes verfasste. Das Würzburger Theater Ensemble führt das Drama auf seiner Sommerbühne auf. Baal, benannt nach einer mythischen, alles überstrahlenden Gottheit, ist in Brechts Stück ein begabter junger Dichter, der dem Leben entgegen fiebert, sich über Konventionen hinwegsetzt und über andere Menschen erhebt. In seinem Hunger verspinnt er sich in eine eigene Welt und nimmt sich alles, was ihm über den Weg läuft. Er dichtet nicht nur, sondern vergnügt sich hier, besäuft sich da, rüpelt und stänkert, wann immer es ihm passt. Er verführt die Freundin seines Gefährten Johannes und schwängert die Frau seines Chefs. Alle, die ihn bewundern oder sogar von Herzen lieben, verletzt er bis ins Mark.

Mit Ekart, seinem Komponisten-Freund, prügelt und träumt er sich durch die Tage. In seiner Gier nach Leben und seiner Angst nach Vereinnahmung seiner Talente bricht Baal immer weiter aus der Gesellschaft aus, wird letztendlich sogar zum Mörder an seinem einzigen Freund. Er stirbt qualvoll und einsam.

Die Premiere auf der Freilichtbühne hinter dem Theater in der Frankfurter Straße 87 wurde vom vornehmlich jungen Publikum kräftig beklatscht. Der idyllische Garten wurde in der Dämmerung ebenso zur Spielstätte wie die mit wenigen Handgriffen geschickt umgestaltete Bühne. Das junge Schauspieler-Team agierte voll Enthusiasmus und Spielfreude. Unter der Regie von Robert Bedard stürzten sich Christian Galgenmüller, David Chapman, Sabrina Kohl, Samira Kreß, David Mittelbach, Markus Rakowsky und Tatjana Schnitzer mit Feuereifer in ihre verschiedenen Rollen, ohne sie allerdings durchgängig ausfüllen zu können. Christoph Homuth in der Hauptrolle zeigte sich wandlungsfähig und körperbetont, beherrschte den mitunter sperrigen Text, den er leider manchmal zu leise für eine Freilichtaufführung sprach.

 

Bilder

Sabrina Kohl, Christoph HomuthChristian Galgenmüller, Michael Völkl, Tatjana Schnitzer, Christoph Homuth, Markus Rakowsky, Sabrina KohlBaal (Christoph Homuth) ließt Ekart ein Gedicht vorChristoph Homuth