Archiv-Bild am Sonntag: Der Messias (1994)

DER MESSIAS von P. Parlowe; Regie: H. G. Butzko. Mit Markus Grimm und Hermann Drexler

DER MESSIAS von P. Parlowe

Regie: H. G. Butzko

Mit: Markus Grimm, Hermann Drexler

Main-Post über den Charles Bukowski-Abend

Manfred Kundz von der Main-Post Würzburg war bei der Premiere des Charles Bukowski – Abends da – und ihm hat’s wohl gefallen.

Bukowski-Abend: Großartig und ganz nah am Trash

Theater Ensemble freut sich über volles Haus bei Premiere des „Charles Bukowski-Abends“

Drei Reihen zusätzlicher Stühle waren nötig um die Besucher der Premiere des „Charles Bukowski-Abends“ im Würzburger Theater Ensemble unterzubringen. Dabei gelten die drastische Lyrik und die derbe Prosa des US-Autors mit deutsch-polnischen Wurzeln als etwas aus der Zeit gefallen.

Doch seine Underground-Lyrik und die Live-Musik hatten überraschenderweise den Würzburger Kultur-Untergrund Generationen- und Szenen-übergreifend mobilisiert und bescherten dem Off-Theater ein volles Haus.

Ausschließlich mit Original-Texten von Bukowski (1920-1994) beleuchtet das Regieteam Helga Wiesend und Norbert Bertheau schlaglichtartig typische Momente aus dem Leben des Autors und vielseitigen Gelegenheitsjobbers. Bertheau trägt überwiegend die lyrischen Passagen vor, während die Prosatexte dem Würzburger Maler Thomas Mehrländer vorbehalten sind.

Nicht nur weil er von seinem Äußeren schon alle Vorstellungen erfüllt, die man sich von einem Underground-Poeten macht oder von Bukowski-Fotos kennt, ist Mehrländer der Fixstern des Abends. Der vom Leben geprägte Körper, der schlurfende Gang, die verlangsamten, sparsamen Bewegungen, die raue, rauchige Stimme und die ungekünstelte Sprache sind der ideale Resonanzboden für die Themen zwischen Job-Erfahrungen und alltäglichem Überlebenskampf, Alkohol-Exzessen und Abenteuern mit Frauen: Es ist, als stünde Bukowski selbst auf der Bühne – und läse seine Texte in bestem und breitestem Fränkisch. Immer ganz nah am Trash, und doch einfach großartig.

Norbert Bertheau hat es da wesentlich schwerer: immer wieder greift er mit den poetischen Texten die wechselnden Rhythmen der dreiköpfigen Band auf, mal im harten Rock-Stakkato, mal im breiteren Rap-Tempo, mal solo und dann wieder im Dialog oder überlagert von der Live-Musik. Überhaupt die Musik – sie ist mehr als illustratives Beiwerk, sondern ein ganz und gar eigenständiges Element des Abends. Angetrieben von Chico Vorgels furiosem Post-Punk-Schlagzeug verwandeln Bassist Rüz Löser (zusätzlich auch Drums) und Gitarrist Ralf Stövesandt (gelegentlich auch mit seiner „singenden Säge“) das Theater in einen Underground-Keller, in dem wohl auch Bukowski gerne trinkender Gast gewesen wäre.

Rund zehn Jahre nach der erstmaligen Aufführung beweist das Theater Ensemble mit seinem Bukowski-Abend: auch der Würzburger Kultur-Underground lebt weiter, auch wenn das vor 30 Jahren gegründete, zuletzt ebenfalls auf dem Bürgerbräu-Gelände beheimatete Kulturzentrum längst tot ist. Bis zum 11. Februar, jeden Freitag und Samstag. Karten: Tel. 4 45 45

Quelle: Main-Post Würzburg, 24. Januar 2012, Manfred Kunz

Main-Post über unser 20-jähriges Bestehen

Ein Freiraum für Begeisterte

Am 31. Januar 1992 startete das „theater ensemble“

Drastische Komik und leise Töne, grober Scherz und subtile Gestik – die ganze Vielfalt dessen, was auf der Bühne dargeboten werden kann, wurde in den vergangenen 20 Jahren vom „theater ensemble“ gezeigt. Am 31. Januar 1992 eröffnete Norbert Bertheau die Spielstätte auf dem Gelände der ehemaligen „Würzburger Bürgerbräu“. Den Beginn machte er mit „La Chunga“ von Mario Vargas Llosa – einem Stück über die gleichnamige peruanische Wirtin, die eine kleine Bar für zwielichtige Figuren betreibt.

Ein eigenes Theater zu haben, bedeutet Entscheidungsfreiheit und Autonomie – und eben das erstrebte Bertheau, als er sich entschied, Leiter einer Off-Bühne zu werden: „Es redet einem keiner mehr rein.“ Seine Erfahrungen mit anderen Theaterteams waren bis dahin nicht immer die besten gewesen.

Oft gab es ungute Auseinandersetzungen. Bis hin zu massivem Streit. Eines seiner Ziele war daher, ein Ensemble aufzubauen, das „freundschaftlich zusammenarbeitet“. Der Name „theater ensemble“ ist demnach Programm. Bertheau gelang es auch tatsächlich, einen (Frei)Raum zu schaffen für Theaterbegeisterte, die sich erproben und künstlerisch weiterentwickeln wollen.

Theater lebt von unvorhergesehenen Überraschungseffekten, und so ist auch die Geschichte des „theater ensemble“ reich an frappanten Anekdoten. Nie vergessen wird Bertheau jenen jungen Mann, der zur Vorstellung von „Love Letters“ kam: „Er hatte einen Irokesenhaarschnitt und sah alles in allem etwas verwahrlost aus.“ So jemanden hatte man zuvor kaum einmal im Theaterraum gesehen. Doch dieser „harte Macker“, der unberührbar erschien, ließ sich so mitreißen von dem, was auf der Bühne geschah, dass er mit Tränen in den Augen die Vorstellung verließ. Bertheau: „Dass so jemand durch Theater plötzlich weich werden kann, das war für mich damals ein sehr starkes Erlebnis.“

Theater, so es nicht ausschließlich dem Entertainment dienen will, tritt stets mit dem Anspruch an, auf vollkommen gewaltlos Weise kleine Veränderungen zu bewirken. Im Bewusstsein des Publikums. Oder was das Verständnis „abseitiger“ Phänomene betrifft. „Gutes Theater muss außerdem berühren“, betont Michael Völkl, der wenige Jahre nach Eröffnung des „ensemble“ zu Bertheau stieß. In welchem Maße ihre Inszenierungen zu berühren vermögen, erfuhr das Ensemble kürzlich nach Lessings „Nathan“. Mehrere Mails begeisterter Schülerinnen und Schüler erreichte die Truppe. „Diese Reaktionen haben uns mit unserem Konzept einmal mehr bestätigt“, sagt Bertheau.

Seit 1998 spielt das „ensemble“ auch unter freiem Himmel. Anfangs war der Efeuhof beim Ratskeller die einzige Freilichtspielstätte. Die teilte sich das Team aus der Zellerau mit der Werkstattbühne. Doch nachdem unsicher war, ob man den attraktiven Aufführungsort auch im nächsten Jahr bekommen würde, entschied sich Bertheau, eine eigene Freilichtbühne zu bauen. Die entstand 2004 auf dem Gelände hinter der festen Spielstätte. Seitdem gibt es in jedem Sommer zwei Inszenierungen für draußen. Auch heuer. Andreas Büettner aus Berlin realisiert im Efeuhof „Richard III“; Cornelia Wagner will „Zeugin der Anklage“ von Agatha Christie zeigen.

Der Theaterraum, in den höchstens 60 Zuschauer passen, ermöglicht intime Dialoge mit dem Publikum. Zum Konzept gehört überdies, dass „flach“ gespielt wird: Es gibt keine erhöhte Bühne. Nur die Zuschauer sitzen aufsteigend in alten Kinosesseln. Und das an fast jedem zweiten Abend. Knapp 150 Mal im Jahr wird im „ensemble“ gespielt. Eine großartige Leistung des kleinen Teams, das mit geringen Mitteln auskommen muss. „Wir schieben einen Schuldenberg vor uns her“, verrät Bertheau, der zum Jubiläum eine Sponsorenaktion starten will „Ab März bieten wir Bausteine im Wert von 300 Euro an.“ Die sollen das Theater endlich wieder auf gesunde finanzielle Füße bringen.

Pat Christ, Main-Post, 26. Januar 2012

Archiv-Bild am Sonntag

In unserem Jubiläums-Jahr gibt es nun jeden Sonntag ein Bild aus dem Archiv zu sehen. Hier im Blog und bei facebook.

Wir fangen an mit dem Stück DIE GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT von J. P. Sartre unter der Regie von Egon Hauck aus dem Jahre 1997.

Zu sehen sind: Esme Koslitz, Dagmar Schmauß und Gottfried Thoma.

Charles Bukowski – Abend – morgen geht’s los!

Gerade läuft die letzte Probe für den Charles Bukowski – Abend. Morgen, am Freitag, den 20. Januar 2012 um 20 Uhr geht’s los.

Charles Bukowski, geb. 1920 in Andernach, gest. 1994 in Los Angeles. Ein umstrittener Schriftsteller. Geliebt und verdammt. Für manche nur Säufer und “Hurenbock”. Für andere ein großartiger, düsterer Dichter: Ein Autor der harten, direkten Zeile ohne schmückendes Beiwerk. Ein entlarvender Autor. Man verglich ihn mit Dostojewski und Rimbaud, Hemingway und Miller.

Er wuchs als Sohn deutsch-polnischer Eltern in den Slums ostamerikanischer Städte auf, brach sein Jurastudium ab, war Mitglied in jugendlichen Banden und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Seine Lyrik machte ihn zur Kultfigur der Untergrund-Literatur.
Die Stadt Los Angeles ernannte einen alten, abgewrackten Bungalow, wo er mal wohnte, zum offiziellen Kulturerbe und die renommierte Huntington Library hat seinen Nachlass übernommen.

In der Inszenierung von Norbert Bertheau und Helga Wiesend wird das Leben des Schriftstellers Henry Charles Bukowski jr. vielseitig beleuchtet.

Der Würzburger Maler Thomas Mehrländer gibt den Autor Bukowski und Regisseur Norbert Bertheau rezitiert in Symbiose mit dem Musiker-Trio Ralf Stövesandt (guitar, saw), Rüz Löser (bass, perc.) und Chico Vorgel (drums).

Zu sehen gibt es die Perfomance bis einschließlich 11. Februar jeden Freitag und Samstag um 20 Uhr.